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Des Wurmes Wurm

Regelmäßige Besucher der Kärntner Blogosphäre wissen es warscheinlich bereits: Der Lindwurm ist krank. Schwer Krank sogar! Das großmäuligste Schuppentier der Welt ist an Krebs erkrankt.

Auf eine Diagnose im Frühstadium folgt eine langwierige und aufzehrende Behandlung. Die hat der Wurm gerade begonnen und führt, wie es seine Art ist, ein Blog dazu. Sein Krebstagebuch bietet schon jetzt faszinierende Einblicke in den Krankheitsverlauf und den Heilungsprozess.

Der Lindwurm bietet einen ungeschönten und ausgesprochen persönlichen Blick auf seine Krankheit. Damit verbunden ist die Hoffnung, seiner Genesung beizuwohnen, die, so ist es mir ein Anliegen, in seine unvermeidliche Rückkehr in den kärntner Blogger-Olymp münden wird.

–Janus

Verlorene Liebesmüh

Es mag vielleicht etwas zynisch erscheinen, doch als ich heute das Interview mit Heinz Mayer in der Kleinen Zeitung las, konnte ich mir ein herzhaftes Lachen einfach nicht verkneifen. Thema war, wieder einmal, die leidige Ortstafelfrage. Mayer gab, auf die Frage hin, welchen Apell er denn an die Beteiligten richten möge, folgende Antwort:

[Ich apelliere,] dass Vernunft einkehrt

Ist das nicht niedlich? Vernunft! Bei den Ortstafeln! Für einen Rechtsexperten, der im Bildungshaus in Tainach über die Ortstafelfrage referiert, ist diese Aussage dann wohl doch ziemlich Naiv. Mit Vernunft ist, bei einer Regierung und einem Volk, dass ein Urteil des Verfassungsrerichtshofes ignoriert, kein Blumentopf mehr zu gewinnen.

Mit einem Kompromiss wird sich die Situation sowieso nicht mehr lösen lassen. Auch der vielerorts herbeigebetene Konsens unter den Beteiligten Volksgruppen wird wohl nie wieder erreicht werden. In meinen Augen gibt es nur noch zwei Möglichkeiten. Entweder, Österreich setzt sich Kärntnen gegenüber durch und erzwingt die Aufstellung zweisprachiger Ortstafeln, so wie es das VfGH Gerichtsurteil vorsieht, oder Kärnten macht weiterhin was es will, tanzt allen an der Nase herum, zeigt ihnen den Mittelfinger und wird schlussendlich zum Freistaat. Wünschen würde ich mir ersteres (Man stelle sich vor, Fischer rückt mit bundesheerlicher Unterstützung an, um die Ortstafeln unter Schusswaffenbewachung aufzustellen! Köstlich!), passieren wird wohl eher so etwas wie letzteres.

Man kann eben nicht für alles im Leben einen Kompromiss finden, wie es so die österreichische Art ist. Manchmal bleiben nur zwei Wege übrig, und sich für einen zu entscheiden verlangt entweder Rückgrad oder das Eingestehen des eigenen Versagens, beides Eigenschaften, die in österreichschen Politik nicht gerade weit verbreitet sind.

–Janus

Lesen bildet…

Kärnten ist eigentlich ein Land der Schriftsteller. Bachmann, Guttenbrunner, Musil, Handke, Jonke, Winkler oder Turrini, um nur einige zu nennen. Wirft man aber einen Blick auf die Literaturförderung, könnte man leicht das Gegenteil annehmen. Österreichweit ist Kärnten Schlusslicht bei der Literaturförderung. Die ca. 100.000 Euro, die Kärntner Literaten pro Jahr insgesamt bekommen, wirken noch erbärmlicher, wenn man sie neben die unglaublichen 1,4 Millionen Euro stellt, die für Brauchtums- und Heimatpflege rausgeschmissen werden.

Ein Land, das nicht einmal in der Lage ist, sich das Werk eines seiner größten zeitgenössischen Schriftsteller anzueignen, ist eine Schande (Niederösterreich kaufte neulich den Turrini-Vorlass). Was mag der Grund für diese ungleiche Verteilung sein? (Volks)Kulturreferentlein Harry Dobernig meint auf kaernten.orf.at, es sei wesentlich leichter, mit der Volkskultur umzugehen.

“Weil eben die Volkskulturvertreter einen unproblematischen, unkomplizierten Zugang generell zur Politik haben, nicht nur auf eine Partei, sondern generell. Deshalb kommt man in Gesprächen darauf, wie man die Volkskultur weiterentwickeln kann. Die Literaten sind scheinbar eine Zunft, wo es etwas schwieriger geht.” - Dobernig

Übersetzt heißt das, wer besser arschkriechen kann, bekommt die meiste Kohle. Nun, leider haben manche Schriftsteller halt die Angewohnheit, kritischer zu sein, als der durchschnittliche Gesangsverein.

Die Kulturförderung in Kärnten ist eine einzige Unkultur. Leutseeligem und ewiggestrigem Volksgedudel wird das Geld in den Arsch geblasen, während Küstler abseits dieser Normen am ausgesterckten Arm verhungern. Ich habe grundsätzlich nichts gegen Folklore, aber es ist ein Unterschied, ob man sich um den Erhalt sowohl als auch um die Weiterentwicklung der vererbten Kultur eines Volkes kümmert, oder ob man sie zu Tode volkstümelt. Letzteres geschieht in Kärnten.

Aber hey, im Beschwören des ewig gestrigen waren die Kärntner ja immer schon wahre Musterschüler.

–Janus

Lyrics der Woche

Wenn man so lanage unentschuldet gefehlt hat wie ich, ist es am besten, einfach so weiterzumachen, als wäre nichts gewesen. In diesem Sinn, und weil heute Freitag ist, hier die Lyrics der Woche.

Diesmal geht es in den Orient, genauer gesagt, nach Israel. Die dort ansässigen Orphaned Land haben anno 2005 mit ihrem Album “Mabool” ein wahres Meisterwer progressiven Edelstaals geschmiedet. Extrem auffallend und für westliche Ohren eine kleine Herausforderung sind die ausgeprägten Folk-Elemente. Aber nach ein paar Hördurchläufen will man diesen Sound garnicht mehr missen.

Textlich beschäftigt sich das Album mit der “Großen Flut” (altes Testament, eh schon wissen). Der Aufmacher hört auf den Titel “Birth of the Three (The Unification)” und liest sich dann so:

The seventh had seven descendants
The seventh was then divided into three
They were given their first symbols
They bore faces of animals
A Snake, an Eagle & the Lion

The first was known as magic
and he bore an enchanted heart
A Star of David upon his crest
was his eternal mark

The second was strength,
half a moon was he
A triangle he adorned,
a sword for all to see

The third was Lion wisdom
a mind unmatched
Represented by the cross
the white was his essence
A crystal his defense

The three were one, divided at rebirth
Forbidden to unite,
for fear of their strength

The divine order was ignored
the three then became one
Their punishment was swift
they were denied and then cast down
A thousand incarnations passed
the time was now at hand
A prophecy fulfilled so;
he may save this sinful land

As Jobe bore the sins of all men
who walk the land
They must bear the cross
as was their commands
The second unification of the angel Seven
Three human souls, merged,
as in heaven

The lion’s roar was heard by all
The magic and the force have heard
the will to prophesize was theirs
The cross shook the hammering of nails

Omen in the darkened skies above
Thunder, lightning and rain did flow
As the united angel rose
Ice steamed and fire rose
And the three were born…

The seventh had seven descendants
The seventh was then divided into three

Die Blümchen von unten…

Na aber hallo, da habe ich mir doch einen guten Tag für einen “Neustart” ausgesucht…

Diverse Medien berichteten heute, dass die Bestattung Kärnten einen neuen Sarg im Angebot hat. Es ist ein… na, kommt ihr drauf? Ja, ein Kärnten-Sarg natürlich.

“Das Braun erinnert an die Heimaterde, das Grün an den Wald und das klassische Kärntner Gilet an unser bodenständiges Brauchtum“, sagt Ingo Sternig von der Bestattung Kärnten. - Kleine Zeitung

Es geht doch nichts über echten Hurrah! Patriotismus. Kärntner bis ins Grab, als hätte man es von den Neocons Süd-USAmerikanischer prägung gelernt.

Kärnten, der Wahnsinn hat mich wieder.

– Janus

Erwachet!

21. September 2008… an diesem Tag habe ich meinen letzten Eintrag in dieses hier liebe Blog gemacht. Wonach ich sang und klanglos verschwunden bin. Was ist passiert?

Nun, ich könnte sagen, dass ich ins Koma verfallen bin. Das wäre aber nicht zutreffend.

Ich könnte sagen, dass ich faul gewesen wäre. Das wäre zumindest teilweise richtig.

Ich könnte sagen, dass ich aufgrund einer kurzfristig angenommenen Anstellung in einen Intressenskonflikt gekommen wäre, der, gepaart mit akutem Zeit- und Energiemangel zum Hiatus dieses Blogs geführt hat. Ja, das wäre dann wolh ganz und gar richtig.

Nun, die Anstellung ist aufgelöst. Ich habe wieder mehr Zeit und keine Konflikte mehr.

In der Zwischenzeit hat sich einiges getan. Es gibt unzählige neue Updates. Ich muss erst einmal wieder herausfinden, wie das alles hier funktioniert hat. Kärnten hat eine neue Regierung. Der Lindwurm ist leider schwer erkrankt. All das will erst einmal aufgearbeitet werden.

Ich bin mir noch nicht sicher, in welche richtung ich dieses Blog weiterbringen will. Ich denke, das Design werde ich erst einmal so belassen, wie es ist. Natürlich will ich regelmäßiger posten, aber wie gut das funktioniert, hat man ja in der Vergangenheit gesehen.

Nur einer Sache bin ich mir ganz sicher: So schnell wird mir der Stoff nicht ausgehen. Denn Kärnten ist und bleibt einfach… “a Wahnsinn!”

– Janus

Schläger von Links

U-Berg Zeit is. Klar, dass sich in Klagenfurt ein paar Demonstranten vom linken Spektrum aufhalten. Da hab ich grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, was ich allerdings von ihren antiquierten Sprüchlein und ihrem Auftreten halte, steht in meinem Augenzeugenbericht von einer Demonstration, die sich vor einiger Zeit durch Klagenfurt schlängelte.

Nun trug es sich gestern auch zu, dass ein paar Menschen am Nachmittag durch die Innenstadt von Klagenfurt zogen, um Fotos zu machen. Photowalk nennt sich dieser Brauch, bei dem sich Hobbyfotografen treffen, um gemeinsam ihrer Leidenschaft zu frönen.

Das scheint auch einigen der U-Berg Gegner aufgefallen zu sein, denn wenig später stellten sie sich zwei der Hobbyknipser in den Weg und verlangten Einsicht in das Bildmaterial. Dagegen ist ebenfalls nichts einzuwenden, schließlich hat jeder Mensch das Recht auf das eigene Bild und konsequenterweise ebenso das Recht, einer Veröffentlichung (und sei es auch nur auf flickr) entgegenzuwirken.

Wo mir jedoch der Kragen platzt ist die Art und Weise, wie es geschah. Ungefähr ein halbes Dutzend Leute, gekleidet in schwarz und gut sichtbar lange Stöcke in den Händen haltend scharten sich um die zwei Fotografen und verlangten nach den Fotos. Blöderweise waren die Kameras analog, also ging da nichts. Es wurde die Herausgabe des Films verlangt. Gewalt lag in der Luft. Zum Glück ist nichts passiert, was wahrscheinlich nur an der Tageszeit und der Tatsache, dass es viele potentielle Zeugen gab, lag.

Das, liebe Leser, finde ich zum kotzen. Ich verabscheue rechte Schläger. Meine Einstellung ihren linken Kontrahenten gegenüber ist allerdings nicht anders. In meinen Augen sind das keine politisch motivierten Menschen. Sie sind nichts weiter als hirnlose, gelangweilte Brutalos die nichts weiter suchen als einen Vorwand, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen. Statt einer Fußballmannschaft ist dieser Vorwand eben das politische Spektrum.

Wundert es die Linke bei solchen Anhängern, dass sie in der Öffentlichkeit kaum besser dasteht, als ihr Gegenüber von der anderen Seite?

–Janus

Wort zum Sonntag

Der Wahlkampf ist schon eine interessante Zeit, vor allem wenn man einen Blick auf die Strategien und Aussagen der daran teilnehmenden Parteien blickt. Die Programme kommen ja nicht irgendwo her. Es muss jemanden geben, der damit angesprochen werden kann. Eine Partei versucht, eine gewisse Hürde zu überspringen. Also muss sie sich bei der Zusammenstellung ihrer Ziele daran denken, dass es genug Menschen gibt, die sich damit identifizieren können, damit die Partei die Hürde schafft.

Je näher der eigentliche Wahltag rückt, desto mehr Kleinparteien kriechen aus dem Unterholz. Eine dieser Kleinparteien, die sich erhofft, genug Stimmen für einen Hürdensprung abzukassieren, sind Die Christen. Ein interessanter Haufen, der sich da zusammengerottet hat. Bis vor wenigen Tagen habe ich noch nie von ihnen gehört. Nachdem ich gestern am Alten Platz in Klagenfurt ein Ständchen von ihnen sah, wurde ich wirklich neugierig. Wer sind diese Christen? Was wollen sie? Ich ging nicht zu ihnen, ich habe nicht gefragt. Gesprochene Worte sind lebendig und winden sich gerne wie Schlangen. Da ist mir eine Aufstellung des Parteiprogramms auf einer Webseite doch lieber. Das kann man sich in aller Ruhe ansehen. Außerdem glaube ich nicht, dass ich eine offene, ehrliche Antwort bekommen hätte. Bei einer Partei namens Die Christen wäre mein T-Shirt mit Crossbuster Logo sicher nicht gut angekommen.

Can you feel it in the air
Life’s eternal, everywhere
Free yourself and be one step ahead
I’m confessing to no one
To no father and no son
Free inside we’ll be one step ahead
-Rage

Mit der letzten Aussage dürfte meine Position eigentlich von vorne herein ziemlich klar sein. Wen wundert es also, dass meine Magensäfte in unangenehme Wallung gerieten, sich meine Peristaltik beinahe umkehrte, als ich mich näher mit den Christen beschäftigte? Fanatiker und Extremisten haben bei mir generell keine guten Karten aber die religiöse Rechte, die ist mir in diesen Tagen wirklich ein Dorn im Auge (und in der Nase und in den Ohren und im Magen und in den Füßen und im Arsch).

Religion changed the face of man, thou shalt not kill, we all are gone
The seed of ignorance is born thou shalt not think, thou shalt conform

Wer sich ein bisschen mit den amerikanischen Extrem-Christen auskennt, dem dürften einige Aussagen auf der Christen-Homepage bekannt vorkommen. Erster Punkt auf ihrer Hitliste ist Ehe und Familie. “Ehe und Familie beruhen auf der natürlichen Hinordnung von Mann und Frau zueinander[...]“ steht da. Wie natürlich eine solche Hinordnung wirklich ist, zeigt ein kurzer Blick in die Natur. Alleine die Liste der Säugetiere, die homosexuelles Paarungsverhalten an den Tag legen, ist lang. Unter anderem wurde gleichgeschlechtliche Paarung bei Eisbären, Eichhörnchen, Hasen, Grauwölfen, Belugas und Flaschenhals-Delphinen beobachtet.

“Besonders verbreitet ist so ein Verhalten unter sozialen Vögeln und Säugetieren, insbesondere Meeressäuger und Primaten.” (wikipedia.com)


Die Christen definieren den Begriff Ehe auch ziemlich romantisch: “Die Ehe ist rechtlich als Verbindung zweier Personen verschiedenen Geschlechts in freier Wahl zu inniger Lebensgemeinschaft in Liebe und Treue auf Lebenszeit zu definieren und verfassungsgesetzlich zu schützen.” Gleichzeitig wird eine hohe Scheidungsrate in Österreich als Argumentationsverstärker angeführt. Liebe und Treue auf Lebenszeit? Wohl kaum. Der Mensch ist kein von Natur aus monogames Wesen. Wenige Spezies auf unserem Planeten sind das. Biologisch macht das auch wenig Sinn. Die Ehe ist vielmehr ein Kunstgebilde, dessen eigentlicher Sinn nicht die Verbindung zweier Liebenden, sondern die Verbindung zweier Familien zum gegenseitigen Profit darstellt. Liebe hat damit nichts zu tun. Selbstverständlich steht es jedem Menschen frei, eine Ehe einzugehen. Aber genau so soll es auch das Recht eines jeden Menschen sein, die Bindung wieder zu lösen, wenn nichts mehr geht. Es ist nichts weiteres als ein künstliches Versprechen vor dem Altar eines unsichtbaren, magischen Wesens, das viele Familien über ihr Verfallsdatum hinaus zusammenhält. Übrigens fordern die Christen außerdem einen “Strafgesetzlichen Schutz gegen die Herabwürdigung von Ehe und Familie.” Das sie damit die rechtlich abgesicherte Verbindung (und damit einhergehende Vorteile rechtsstaatlicher und steuerlicher Natur) zweier gleichgeschlechtlicher Menschen meinen, dürfte wohl klar sein.

Das sich die Christen in Bildung und Erziehung einmischen wollen, jagt mir mehrere Schauer über den Rücken. Ich vertrete hier grundsätzlich die Meinung von Richard Dawkins, der religiöse Indoktrination im Kindesalter mit Misshandlung gleichsetzt. Ein Kind ist nicht katholisch oder evnagelisch im selben Sinne, wie es nicht freiheitlich oder grün ist. Ein Kind kann sich nicht gegen das Eintrichtern von Halbwahrheiten und Lügenmärchen wehren, weil es noch nicht das Werkzeug besitzt, um damit fertig zu werden. Wenn es nach solchen Menschen geht, wird das Kind auch nie solche Werkzeuge besitzen. Denn ein denkender Mensch nutzt ihnen wenig. Warum? Weil ein denkender, vernunftbegabter Mensch leichter hinter ihre Lügengebäude spähen kann. Ist es denn nicht bezeichnend, dass die erste aller Sünden das essen einer Frucht vom Baum der Weisheit ist? Jaja, tu was Gott dir sagt und wehe du wagst es, für dich selbst zu denken. Nix mehr mit Paradies.

Geradezu abscheulich sind allerdings die Ansichten dieser Partei zur Sexualerziehung unserer Kinder. “Die schulische Sexualerziehung wird als fächerübergreifendes Unterrichtsprinzip gesehen und die Übungen, die dort empfohlen werden, entfremden die Kinder und Jugendlichen dem Elternhaus. Sie versuchen, den christlichen Glauben an der Wurzel auszurotten und im sexuellen Bereich folgendes „Ideal” zu suggerieren: „Tu, was dir Spaß macht, aber pass auf, dass du davon keine Kinder kriegst!” Solche Aussagen sind im Zeitalter von Aids nicht nur blind und ignorant sondern geradezu verwerflich. Sie suggerieren, das lernen über die Funktionen des eigenen Körpers, den Umgang mit sich selbst und anderen in der turbulenten Zeit der Pubertät und Selbstschutz seien verwerflich und sollten vermieden werden. Was soll denn stattdessen geschehen bitteschön? Mit Abstinenzprogrammen in den Schulen, wie sie in Amerika existieren? Wer glaubt, einen Teenager, einer dieser Hormonbomben auf zwei Beinen, mit einem bloßen Versprechen vom Vögeln abzuhalten, ist weltfremd. Wissen, nicht Abstinenz ist der beste Schutz vor Krankheiten und ungewollter Schwangerschaft.

Oppression is the Holy Law
In God I distrust
In time His monuments will fall
Like ashes to dust
Is war and creed the master plan?
The Bible’s where it all began
Its propaganda sells despair
And spreads the virus everywhere
-Slayer

Was mir in ihrem Wahlprogramm allerdings am besten gefällt, ist die Sparte Kultur. Darin wird die geliebte Religionskarte ausgespielt. Natürlich steht es jedem frei, seine Religion auszuüben. Von mir aus, geht Sonntags in die Kirche, da hab ich kein Problem damit. Wenn du allerdings deine Religion im öffentlichen Raum ausüben willst, musst du auch damit fertig werden, von mir verspottet zu werden. Wieso haben wir überhaupt ein Problem damit, uns der Religion mit der gleichen sarkastischen Schlagfertigkeit zu nähern, wie wir uns Politikern, Stars, Künstlern und vielen anderen Dingen auf dieser Welt annähern? “Wir begehren umfassenden Rechtsschutz auf allen Stufen der Rechtsordnung gegen die Herabsetzung christlicher Glaubensinhalte und Institutionen.” Das ist ja ganz lieb, ihr Christen. Sichert euch gleich ab gegen jegliche Art der Kritik.

“Menschenwürde gilt für jeden, der biologisch zur Spezies Mensch gehört, auch für den leidenden, behinderten und ungeborenen Menschen”, sagen die Christen. Ja, das sehe ich auch so. Menschenwürde gilt für jeden Menschen. Ausnahmslos. Ich sage ausnahmslos. Nicht so wie ihr, die ihr gleich im nächsten Satz schreibt: “Der Glaube an den Schöpfergott ist die sicherste Gewähr der Menschenwürde. Er kann niemandem auferlegt werden, aber da er ein großes Gut für die Gemeinschaft ist, darf er Anspruch auf Ehrfurcht von Seiten der Nichtglaubenden erheben. Deshalb ist auch Ehrfurcht vor dem geboten, was dem Mitmenschen heilig ist.” Liebe Christen: Da scheiße ich drauf. Einen großen, gelben, eitrigen Haufen. Mit dem einen Atemzug preist ihr die Menschenwürde an und im nächsten verwehrt ihr sie mir auch schon wieder, weil ich nicht an euren Gott glaube? Ihr wollt einzig und alleine Anspruch auf Ehrfurcht, aber alle, die anders denken als ihr, wird dieser verwehrt? Liebe Christen, ich habe nur ein einziges Wort für euch: Heuchler!

It’s all make believe it’s all conceived in your own dreams
You’re painting pictures of imaginary scenes
It seems like you’re looking for some kind of confirmation
But you’re in desperate need of a different revelation
-Clawfinger

Religion hat im Gefüge eines Staates nichts verloren. Wohin eine Theokratie führt, zeigen Länder wie Afghanistan, Irak oder die USA. Wohin eine Theokratie führt, zeigt auch Europa genauer gesagt, das finstere Mittelalter. Eine Zeit, in der Gott regierte, in der Menschen auf Scheiterhaufen verbrannt wurden, gefoltert wurden weil sie nicht an das Wort der Bibel glaubten. Eine Zeit in der der wissenschaftliche Fortschritt der Menschheit um Jahrhunderte zurückgeworfen wurde.

Wenn ein Mensch an Gott, Jehova, Jesus, Buddah, Shiva oder Amateratsu glauben will, bitteschön. Der eigene Glaube steht jedem Frei. Aber versuch nicht, mir deinen Glauben aufzudrängen. Nicht mit Worten und schon gar nicht mit Gewalt. Wenn du weiter den Ansichten einer bronzezeitlichen Gesellschaft folgen willst, gerne doch. Aber stell dich nicht in den Weg von Wissen und Fortschritt. Wenn du weiter in einer kalten Höhle hausen willst, mach doch. Ich jedoch blicke lieber nach vorne, auf die Herausforderungen, die noch auf uns Menschen warten.

Ach ja, und:

–Janus

Lyrics der Woche

Wenn ich schon mal da bin, hier noch schnell die Lyrics der Woche. Diesmal von der deutschen Thrash-Legende Kreator. Europe After the Rain erschien erstmals 1992 auf Renewal und dann später noch einmal auf der Best Of Compilation Past Life Trauma.

Indecisive government
Regardless of brutal punishment
Indestructable regiment
Twice as many lives

Perversion never too bizarre
Can’t remember who we are
Influenced us to get this far
Emotions paralyzed

Monotony provokes the escalation
Terrifying industry protect departed nations
Can’t get back together again
Leaving Europe after the rain

Acceptance of neo-fascist
Persecuting anarchists
Put the wrong ones on the list
Let the new age begin

Monotony provokes the escalation
Terrifying industry protect departed nations
Can’t get back they’re going insane
Leaving Europe after the rain

Can’t look at the world the way I did before,
Can’t ignore they’ve all mutated into materialistic
parasites
Can’t forget the pictures I saw on television
Can’t close my eyes on this abstract spectrum
Tomorrow I’ll be gone
Forcing them to support without asking
Imprisoned in factories for a lifetime
Reasons are becoming meaningless
Optimism leaves the bitter taste of hopelessness
Tomorrow I’ll be gone

Monotony provokes the escalation
terrifying industry protect departed nations
Can’t get back they’re going insane
Leaving Europe after the rain

A complex keeps the industries
In motion, for some new disease
Bound to those who still resist
Yet harder to find

Monotony provokes the escalation
terrifying industry protect departed nations
Can’t get back they’re going insane
Leaving Europe after the rain

–Janus

Verbot oder Nichtverbot?

Ich habe diese Woche Urlaub und fasse mich deshalb (relativ) kurz:

Pünktlich zum Ulrichsberg Dingsbums befetzen sich der Lindwurm und HeavyHeavyLowLow. Anlass ist ein Thema, das so verlässlich wiederkehrt, wie die Ebbe: Das in Österreich und Deutschland herrschende Verbotsgesetz und dessen Konflikt zum Prinzip der Freien Meinungsäußerung.

Während die eine Partei darauf besteht, es Nazis möglichst schwer zu machen, ist die andere dafür, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung für ALLE gelten muss.

Der Lindwurm macht seine Position ziemlich klar. Verbrechern solle man keine zweite Chance geben. HHLL mäandert hingegen ein wenig herum und vergleicht das Dritte Reich irgendwie mit der Bibel. Das klingt dann etwa so: “Soll es also auch unter Strafe gestellt werden, wenn man das Leben und die Taten Jesu leugnet - etwa weil damit Grundmoralvorstellungen wie Nächstenliebe oder Güte relativiert würden? Soll man die Leugnung von Marienwundern bestrafen, weil dadurch die angeblichen Zeugen beleidigt werden?”

Uff, das Leugnen eines industriellen Massenmordes wird somit gleichgestellt mit gesunder Skepsis und dem Verzicht, an einen unsichbaren Freund im Himmel zu glauben.

Lieber HHLL, dein Argument ist im Grunde genommen nicht falsch. Freie Meinungsäußerung heist, sich auch ungeliebten Meinungen stellen zu müssen. Allerdings handelt es sich in meinen Augen bei der Verbreitung nationalsozialistischen Gedankengutes weniger um die Äußerung einer freien Meinung sondern mehr um das bewusste Verzerren vergangener Begebenheiten unter der klaren Absicht eben jene verbrecherischen Zustände wieder herbeizuführen.

Schlussendlich ist es ein großer Unterschied, ob man von seinem Recht auf die freie Meinung gebraucht macht, oder ob man es missbraucht. In etwa so wie Kreationisten die meinen, es sei ihr gutes Recht zu behaupten, die Erde sei schlappe 6000 Jahre alt und wurde in sieben Tagen erschaffen und dabei Meinung (absichtlich?) mit wissenschaftlichem Diskurs vertauschen.

Freie Meinung hat keinen Wert, wenn sie als Vorwand genutzt wird, um Unwahrheiten und Verzerrungen zu verbreiten. Sie hat auch keinen Wert, wenn viele Menschen nicht unterscheiden können zwischen Meinung und Agenda. Was HHLL will ist Menschen ein Recht einzuräumen, die es uns genau in jener Sekunde entziehen würden, sollten sie tatsächlich wieder an die Macht kommen. Menschen, die sich hinter einem ehernen Prinzip verstecken, die absichtlich Unwahrheiten streuen, um die eigene Machtposition zu stärken. Das ist keine freie Meinungsäußerung, das ist nichts anderes als ein Verbrechen an unserer Gesellschaft.

–Janus