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Dreck unter den Fingernägeln

Rund um die Kreuzung August Jaksch Straße - Villacher Ring in Klagenfurt, da blühen sie zur Zeit auf: Die Nazi Grafittis. Hakenkreuze, 88er und kryptische Buchstabensuppen zieren Hauswände, Mauern und sogar Gehsteige. So wird der allabendliche Heimweg zu einer Tour de Force, bei der ich jedes Mal gegen das Erbrechen ankämpfen muss.

Während die faschistoiden Schmierereien in der Viktringer Straße schon seit einigen Monaten existieren und bereits einige Gegenschmierer angezogen haben - eine Art der verlangsamten Urban-Diskussion - sind alle weiteren Tags in der Umgebung neueren Datums. Die verwendete Handschrift und Sprühfarbe lassen den Schluss zu, dass es sich hierbei um den immer gleichen “Künstler” handelt. Die örtliche Konzentration könnte bedeuten, dass er (oder sie, wollen wir doch fair bleiben) in der Nähe wohnt.

Wieso jetzt, wieso hier? Wer sind die Übeltäter? Hardcore-Skins, alternde Hitler-Fans, Blaue? Ich für meinen Teil tippe auf dummdreiste, provokationssüchtige Jugendliche, die nichts dringender brauchen als ein gebrochenes Nasenbein und ein paar Haarrisse in der Schädeldecke. Der Zeitpunkt für das konzentrierte Auftauchen der Schmierereien lässt diesen Schluss zu. Schließlich ist es nur wenige Wochen her, dass andere Blödkinder mit ihren hirnlosen Taten und Aussagen Schlagzeilen gemacht haben.

Es seien ja nur Kinder, die nicht wissen, was sie da tun. Lausbubenstreiche! Ja, so nennt man das heutzutage wohl. Kein Aufschrei der Empörung, höchstens mal ein gemurmeltes Statement. Dabei macht es einem dieser Abschaum so leicht, die richtigen Worte zu finden: Volltrottel, Arschgeigen, Hirnwichser, Eiterschwänze usw. Mit ihrem Gebahren gibt die Politik dieser Art von jugendlicher Auflehnung Legitimation.

Ich habe mit solchen Typen schon bekanntschaft gemacht. Diese Art von orientierungslosen jungen Menschen, als Kind in der Schule zu oft verarscht, als Heranwachsender von den Eltern nicht ernst genommen suchen sie Halt in eben solchen Kreisen. Dort finden sie Aufmerksamkeit und Legitimation. Dafür nehmen sie gerne Sichtweisen über eine Zeit an, von der sie keine Ahnung haben.

Ich wurde mal in einer Kneipe von solch einer Gestalt von der Seite angequasselt. Ich war Stammgast und auch er hatte sich schon öfters gezeigt. Wieso er sich jedoch ausgerechnet mich ausgesucht hat, um mir von den Vorzügen von Hitlers Autobahnen vorzuschwafeln, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben. Was habe ich gemacht? Ihn ernst genommen und in einer längeren Diskussion bei Bier und schummriger Kneipenbeleuchtung seine Argumente verbal hingerichtet. Auf seinem Niveau.

Klar geht das nicht immer. Viele dieser Kids sind schon zu tief im braunen Sumpf, um für Worte noch empfänglich zu sein. Dann braucht es Zeichen und Aktzente, von den großen Politikern bis hin zu jedem einzelen Bürger auf der Straße.

–Janus

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