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Undergrund

Der vergangene Freitag hat mir mal wieder eines deutlich vor Augen geführt: Dass der Underground in Kärnten noch untergründiger ist, als anderswo.

Am Freitag begab ich mich, in Begleitung einer Jungen dame, auf ein Rockkonzert, dass im Parkhotel in Villach stattfand. Auf dem Billing standen vier lokale Bands und ein Virtuoses Trio der harten Klänge aus Deutschland. Rage waren, nach elf Jahren, endlich wieder in Kärnten zu Gast. Seit damals, als sie gemeinsam mit Deep Purple in Spittal spielten, bin ich glühender Fan dieser Band. Meine Begleiterin hat eine Vorliebe für den Gitarristen Victor. Gefreut haben wir uns auf jedem fall beide.

Auf dem Weg zum Konzert machte meine Begleiterin eine Bemerkung, die mich die letzten Tage dann doch beschäftigte. “Meinst kommen auch Leute zu dem Konzert? Ich hab nirgends eine Ankündigung gesehen”, sagte sie und lag damit genau richtig. Mir selbst war es als Fan kaum aufgefallen. Schließlich wusste ich schon seit Monaten, dass Rage in Villach spielen würden. Ich habe die Ankündigungen auf Ticketseiten und in Foren verfolgt. Aber außerhalb des engen Fanzirkels? Fehlanzeige. Keine Aushänge, keine Plakate, keine Flyer, keine Ankündigungen in Zeitungen, nichts! Ich fing tatsächlich an, mir Sorgen zu machen. Es war schließlich nicht klar, ob überhaupt genug Leute von dem Konzert wussten, um den Saal voll zu bekommen.

Meine Sorge stellte sich zum Glück als unbegründet heraus. Der Bambergsaal im Parkhotel war gut gefüllt, die Meute war bester Laune und einige Fans waren sogar aus Jesenice angereist und dementsprechend heiß auf eine Vollbedienung. Die Band hatte offensichtlich auch ihren Spaß und spielte auf Teufel komm raus, obwohl Gitarrist Victor an einer Grippe laborierte. Für mich war es ein gelungener Abend.

Wenn das Konzert so toll war, wo liegt dann mein Problem?

Das Konzert fand regelrecht unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ich glaub nicht, dass, außer der Konzertgäste, überhaupt jemand wusste, was denn da los ist. Zeitungen, die sich sonst über jeden Scheiß das Maul zerreißen, blieben stumm. Dabei sind Rage kein unbeschriebenes Blatt. Immerhin sind sie nicht nur für einen der bekanntesten Rocksongs dieses Jahrzents verantwortlich (Straight to Hell aus der Komödie “Der Schuh des Manitu”), sie schafften bei Stefan Raab’s Bundesvision Songcontest 2009 den ordentlichen dritten Platz. Rage sind, um es mit einem Wort zu sagen, Kult.

Ich weiß, wass Sie, lieber Leser, jetzt denken. Da regt sich ein Fan darüber auf, dass seine Lieblingsband nicht die gebührende Aufmerksamkeit bekommen hat. Und ich müsste dieser Auffassung zähneknirschend zustimmen. Aber davon abgesehen wundert es mich, wie sehr Jugendkultur, die etwas abseits des Mainstream liegt, in Kärnten unter vollem Desinteresse der Öffentlichkeit stattfindet. Beispielsweise feiert die Krone ihr dreitägiges Seefest mit solchen “Rocklegenden” wie Bonny M das ganze Wochenende auf mehreren Seiten täglich ab. Zugegeben, dort waren auch die Massen, aber wenn in Kärnten etwas popkulturelles stattfindet, ist es meistens das “Für die ganze Familie” Zeugs, dass es in das öffentliche Bewusstsein schafft. Volksmusik und dekaden alte One-Hit-Wonders. Man möchte den Eindruck bekommen, dass es in Kärnten eben nur so etwas gibt.

Das stimmt zwar nicht - engagierte Fans und Unternehmer schaffen es immer wieder, richtige Perlen nach Kärnten zu locken - aber außerhalb eines Kreises von Eingeweihten weiß das so gut wie niemand. Kärnten ist so viel mehr als Volksmusik und Familienfest. Eingestehen will sich das aber anscheinend niemand.

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