Skip to content

Der Elvis von Kärnten

Sie krichen aus den Kneipen hervor, aus den Tankstellen, den Bahnhofsresten, den dämmrigen Absteigen. Ihre moderneren Nachfahren schlagen sich die Nächte in Internetforen um die, für die Realität taub gewordenen, Ohren. Jetzt kommen sie ans Tageslicht, umhüllt von einem Gestank aus Paranoia, Wahnsinn, Idiotie, Alkohol und manchmal einfach berechnender Geschäftemacherei. Sie sind die Verschwörungstheoretiker.

Sie sind nicht mit der Realität zufriedenzustellen. Nein, sir, sie suchen nach der “Wahrheit”. Denn es kann nicht sein, dass ein göttlicher Kaiser wie der Herr Haider bei so etwas mondänem wie einem Autounfall ums Leben gekommen ist. UN MÖ GLICH! Nein, da sind andere Mächte im Spiel: Dunkle Schattenpolitiker, graue Eminenzen, Freimaurer, der Mossad… wieso bis jetzt noch niemand Adam weißhaupt erwähnt hat? Vielleicht im neuen Buch des Herrn Wisnewski Gerhard?

Denn für den Krumbacher Journalisten und Schriftsteller war es kein Unfall, es war eindeutig Mord. Jawollja! Mord! Das Auto wurde von den Tätern demoliert und am Fundort platziert. Es war ganz klar eine politische Angelegenheit. Gestütz werden Wisnewskis Thesen vom Verhalten des Landeshauptbaumsägers Gerhard Dörfler. Der sitzt ja immer noch wie eine Glucke auf dem Wrack, denn es könnte ja noch für Untersuchungen gebraucht werden.

Ein paar Wörter zu Wisnewski: Der hat mittlerweile behauptet, die Mondlandung wäre gefälscht gewesen und 9/11 wäre inszeniert gewesen. Natürlich verkauft er dieses Geheimwissen für gutes Geld an die zweifelnde Bevölkerung.

Ich verstehe, dass Haider-Verehrer nicht wahrhaben wollen, dass ihr Gottkaiser etwas so mondänen wie einem Verkehrsunfall zum Opfer fallen konnte. Es ist einfach zu leicht, ohne nachzuhelfen wäre der Jörgl dem Tod sicher von der Schippe gesprungen. So etwas gab es schon immer und wird es immer geben. Auch gegen die Geschäftemacher kann man nichts tun, außer sie mit Verachtung und Hähme zu strafen (obwohl, das bestätigt sie eigentlich auch nur in ihrem Tun). Dass aber ein Landeshauptmann mit seinen Aussagen und Taten einen solchen Unsinn auch noch unterstützt, ist einfach nicht mehr tragbar. Selbst die Witwe hat anerkannt, dass ihr Lebensmännlein einfach zu tief ins Glasch geschaut und zu stark aufs Pedal getreten hat. Wer schon einmal auf einer nassen Landstraße von Haider’s Phaeton mit dem Chef persönlich am Steuer überholt wurde, weiß, dass sich der Landesfürst einen absoluten Dreck um die Verkehrssicherheit seiner Untertanen scherte.

Lange wirds nicht mehr dauern, dann wird es in Kärnten erste Haider-Sichtungen geben.

–Janus

Hm, da fällt mir ein: Der Phaeton war doch von VW? V = Römische Zahl 5. 5 = Quersumme von 23. W = 23. Buchstabe im Alphabet. OMFG! Die Illuminaten stecken dahinter! Rette sich, wer kann!

ÖHa, die Zweite

Äpfel, die nicht weit von Stämmen fallen. Eh schon wissen.

Naja, die ÖH-Wahl ist erledigt. Die Wahlbeteiligung lag bei sage und schreibe 24 Prozent. Die großen Verlierer der Wahl? VSStÖ. Wieso bin ich nicht überrascht? Weil das Wahlprogramm dieser Gruppierung im Prinzip aus Gratis-Gulasch und Gratis-Grillfleisch bestanden hat.

Gut gemacht, Faustis. Für wie dämlich haltet ihr die Studenten eigentlich?

Dreck unter den Fingernägeln

Rund um die Kreuzung August Jaksch Straße - Villacher Ring in Klagenfurt, da blühen sie zur Zeit auf: Die Nazi Grafittis. Hakenkreuze, 88er und kryptische Buchstabensuppen zieren Hauswände, Mauern und sogar Gehsteige. So wird der allabendliche Heimweg zu einer Tour de Force, bei der ich jedes Mal gegen das Erbrechen ankämpfen muss.

Während die faschistoiden Schmierereien in der Viktringer Straße schon seit einigen Monaten existieren und bereits einige Gegenschmierer angezogen haben - eine Art der verlangsamten Urban-Diskussion - sind alle weiteren Tags in der Umgebung neueren Datums. Die verwendete Handschrift und Sprühfarbe lassen den Schluss zu, dass es sich hierbei um den immer gleichen “Künstler” handelt. Die örtliche Konzentration könnte bedeuten, dass er (oder sie, wollen wir doch fair bleiben) in der Nähe wohnt.

Wieso jetzt, wieso hier? Wer sind die Übeltäter? Hardcore-Skins, alternde Hitler-Fans, Blaue? Ich für meinen Teil tippe auf dummdreiste, provokationssüchtige Jugendliche, die nichts dringender brauchen als ein gebrochenes Nasenbein und ein paar Haarrisse in der Schädeldecke. Der Zeitpunkt für das konzentrierte Auftauchen der Schmierereien lässt diesen Schluss zu. Schließlich ist es nur wenige Wochen her, dass andere Blödkinder mit ihren hirnlosen Taten und Aussagen Schlagzeilen gemacht haben.

Es seien ja nur Kinder, die nicht wissen, was sie da tun. Lausbubenstreiche! Ja, so nennt man das heutzutage wohl. Kein Aufschrei der Empörung, höchstens mal ein gemurmeltes Statement. Dabei macht es einem dieser Abschaum so leicht, die richtigen Worte zu finden: Volltrottel, Arschgeigen, Hirnwichser, Eiterschwänze usw. Mit ihrem Gebahren gibt die Politik dieser Art von jugendlicher Auflehnung Legitimation.

Ich habe mit solchen Typen schon bekanntschaft gemacht. Diese Art von orientierungslosen jungen Menschen, als Kind in der Schule zu oft verarscht, als Heranwachsender von den Eltern nicht ernst genommen suchen sie Halt in eben solchen Kreisen. Dort finden sie Aufmerksamkeit und Legitimation. Dafür nehmen sie gerne Sichtweisen über eine Zeit an, von der sie keine Ahnung haben.

Ich wurde mal in einer Kneipe von solch einer Gestalt von der Seite angequasselt. Ich war Stammgast und auch er hatte sich schon öfters gezeigt. Wieso er sich jedoch ausgerechnet mich ausgesucht hat, um mir von den Vorzügen von Hitlers Autobahnen vorzuschwafeln, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben. Was habe ich gemacht? Ihn ernst genommen und in einer längeren Diskussion bei Bier und schummriger Kneipenbeleuchtung seine Argumente verbal hingerichtet. Auf seinem Niveau.

Klar geht das nicht immer. Viele dieser Kids sind schon zu tief im braunen Sumpf, um für Worte noch empfänglich zu sein. Dann braucht es Zeichen und Aktzente, von den großen Politikern bis hin zu jedem einzelen Bürger auf der Straße.

–Janus

Kärnten, wo sind deine Kinder?

Alarm! Alarm! Kärnten ist Schlusslicht bei der Geburtenrate!

Aha, und wann erzählen Sie mir etwas neues? Das die Kärntnerinnen und Kärntner beim Brüten eher Nulpen sind, steht eh jedes Jahr in den Schlagzeilen. Wir sind immer entweder Letzter oder Vorletzter bei der Geburtenrate. Nachdem diese “Neuigkeit” nun mehr oder weniger durch die Medien gegeistert ist, warte ich nur noch auf den unvermeidlichen Tanz der Populisten. Frauen an den Herd, weniger Parties und mehr Kinder, Kopfprämien für Nachwuchs usw.

All das ist, wie gesagt, nichts neues. Genau deshalb juckt mir jedesmal das Kinn, wenn ich so etwas höre. Ich meine, die Forderungen und Aktionen sind jedes Mal die selben. Aber geändert hat sich an der Zeugungsunwilligkeit meiner Landsleute nichts. Ich weiß nicht, aber wenn ich merke, dass eine etwas keine Wirkung erzielt, dann probiere ich etwas anderes aus.

Ja, aber was tun für mehr Kopulation? Wie wäre es denn, liebe Politicos und Medien, erst einmal nach den Ursachen forschen zu lassen, bevor man sich wieder einmal in heiserem Geschrei ergeht? Schließlich macht man es sich unnötig schwer, wenn man versucht ein Problem zu bekämpfen, ohne dessen Verursacher überhaupt zu kennen.

Also, woran liegt es, das hierzulande so wenige Menschenwelpen in die Welt geploppt werden? Sind in Kärnten Kondome billiger? Liegen die Spermien lieber im Wörthersee-Strandbad, als zum Ei zu schwimmen? Ist es die wirtschaftliche Lage? Sozialer Druck? Fehlender sozialer Druck?

Eben, man weiß es nicht. Ich weiß nur, warum ich noch keine Zellmitose durchgeführt habe: Ich habe nicht den Eindruck, dass dieses Land ein guter Nährboden für meine Sprösslinge sein würde, so simpel ist das. Steigende Arbeitslosigkeit, keine Perspektiven, unerträgliche Politik, grauenvolles Kulturklima… Ich hätte Angst, dass meine Nachkommen verblöden, verrhohen, verarmen und schlussendlich im Stechschritt nach Slowenien marschieren würden. Aber hey, das bin nur ich. Andere Menschen haben vielleicht andere Gründe.

Also, nochmal, damit es auch alle verstehen: Findet heraus, was das Problem ist, und löst es. Eine Krankheit wird man auch nicht los, in dem man nur die Symptome bekämpft.

–Janus

Und die 90er leben doch!

Junge Menschen meines Alters, welche die vorläufigen Höhen ihrer Pubertät so um mitte 1990 durchmachten, werden sich vielleicht noch an einen damals populären Musikstil erinnern: Crossover. So wurde es genannt, wenn Band eine schwermetallische Instrumentierung mit Pop-Punk Attitüde und sprechgesungenen Lyrics kombinierten. Ja, das war noch vor dem unsäglichen Nu-Metal der frühen Doppelnuller. Aber egal, denn lang gab es diesen Stil wahrlich nicht und kaum eine Band überlebte die unvermeidliche Implosion des Marktes nach einer zu schnellen Verheizung am Mainstream. Höchstens Clawfinger, die pünktlich wie ein Uhrwerk alle zwei Jahre ein neues Album veröffentlichen, sind noch als existent und eventuell sogar relevant zu bezeichnen.

Aber als der Stil auf seinem Höhepunkt war, zählten die wilden Recken von Dog Eat Dog zu den bekannteren vertretern ihrer Zunft. Songs wie No Fronts, Rocky oder Who’s The King wirbelten gehörig Staub auf in der Szene. Aber nach drei Alben war schon wieder Schluss mit der Party, zumindest sieben Jahre lang. Dann ließen Dog Eat Dog wieder etwas von sich hören. 2006 veröffentlichten sie ihr viertes Album und tourten ein paar Festivals.

Warum ich das alles erzähle? Nun, zum Einen ist es popkultureller Geschichtsunterricht. Und zum Anderen bin ich stolz, vermelden zu können, dass eben jene Dog Eat Dog auf ihrer 15-Jahre Jubiläumstour in Klagenfurt vorbeischauen werden. Am 24. Juni geben sie ein Gastspiel im ((stereo)). Wer hätte das gedacht?

Die Frage ist nur, wer geht zu diesem Konzert? Die heutigen Pubertären dürften eigentlich nicht mehr die Zielgruppe der Band sein, ist die Musik doch etwas zu irrelevant. Dann wohl eher Leute wie ich, Nostalgiker, die mit dieser Mucke einen netten Abschnitt ihrer Jugend verbinden. So gesehen ist Klagenfurt als Universitätsstatt und der 24. Juni als Mittwoch keine all zu schlechte Kombination. Ich erwarte fast, einige Studiosis beim Konzert zu sehen.

Wie dem auch sei: Who’s da fucking King, bitch?

–Janus

Öha!

Die Alte Mutter liegt mit Wahlkampffieber im Krankenhaus. Ob sie sich jemals von der Belastung erholen wird, ist fraglich. Antibiotika haben nicht gewirkt, die Ärzte sind verzweifelt. OberÖHarzt Stefan Sagl hat sich mittlerweile darauf verlegt, der kranken Dame nur noch Plazebos zu verabreichen. Außerdem appeliert er an die Verwandschaft. Sagl glaubt, wenn nur genügend Leute zu Besuch kommen würden, die Alma Mater würde wieder Lebenskraft bekommen.

So, genug metaphert.

Die ÖH-Wahl steht vor der Tür. Falls das überhaupt noch jemanden interessiert, denn besonders hoch war die Wahlbeteiligung beim letzten Mal nicht gerade. 28 Prozent haben sich an die Wahlurnen locken lassen. Vorsitzender Stefan Sagl begründet das Desinteresse mit dem schlechten Image der ÖH. In einem Interview in der aktuellen Kärntner Woche sagt Sagl, die ÖH gerate immer wieder negativ in die Schlagzeilen und gelte als Kaderschmiede für Jungpolitiker.

Natürlich ist die ÖH eine Kaderschmiede für Jungpolitiker, was denn sonst? Das soll die ÖH doch schließlich sein, eine Bühne, auf der junge Menschen ihre politischen Ambitionen unter lebensechten Bedingungen ausprobieren können. Damit habe ich kein Problem. Die Crux ist eher, welche Art von Politik hier geprobt wird.

Polemik, Saufgelage, wilde Versprechungen und gegenseitiges Schuldzuweisen, das wird in der ÖH geprobt. Warum gehen so wenige Studenten zur Wahl? Weil alles, was sie von ihren Vertretern zu sehen bekommen, Bier- und Cocktailstände und ein ellenlangen Emails ausgetragene Fehden sind. Eben genau so, wie die großen Vorbilder in Land und Bund.

Die Vsstö zum Beispiel hat nichts besseres zu tun, als täglich ihre eher sinnfreien Veranstaltungen auf Facebook zu spammen. Ja, toll, heute gibs Gulasch und Bier vor der Uni, das hab ich schon beim ersten Mal verstanden. Aber was gibt es darüber hinaus? Was wird die Vsstö für die Studenten tun, abgesehen von der verteilung kostenloser oder kostengünstiger Alkoholika?

Auch die Generation Orange eifert fleißig ihren großen Vorbildern nach. Vergangene Woche erreichte mich eine Email, in der die Babyorangen von einem “Kärnten Stipendium” und “1000 Euro für alle Kärntner Stundenten” faselten. Yay für Bestechungsversuche.

So ein sinnentleertes Wahlgeplänkel gibt es bei den ausgewachsenen Politikern zu Genüge. Vom Jungvolk erwartet man für gewöhnlich etwas mehr Esprit. Mehr Geist, Einfallsreichtum, Mut zur Rebellion, neue Ideen. All das liefern die ÖH-Vertreter (egal welcher Farbe) nicht. Worin sie sich üben ist das dreschen leerer Phrasen und das Verteilen von Wahlzuckerln (oder Wahlgulasch).

Deshalb geht niemand zur ÖH-Wahl. Nicht, weil die ÖH eine politische Kaderschmiede ist, sondern weil die ÖH einfach der Mühe nicht wert ist. Nicht bei diesen Kandidaten und schon gar nicht bei diesem Verhalten.

Undergrund

Der vergangene Freitag hat mir mal wieder eines deutlich vor Augen geführt: Dass der Underground in Kärnten noch untergründiger ist, als anderswo.

Am Freitag begab ich mich, in Begleitung einer Jungen dame, auf ein Rockkonzert, dass im Parkhotel in Villach stattfand. Auf dem Billing standen vier lokale Bands und ein Virtuoses Trio der harten Klänge aus Deutschland. Rage waren, nach elf Jahren, endlich wieder in Kärnten zu Gast. Seit damals, als sie gemeinsam mit Deep Purple in Spittal spielten, bin ich glühender Fan dieser Band. Meine Begleiterin hat eine Vorliebe für den Gitarristen Victor. Gefreut haben wir uns auf jedem fall beide.

Auf dem Weg zum Konzert machte meine Begleiterin eine Bemerkung, die mich die letzten Tage dann doch beschäftigte. “Meinst kommen auch Leute zu dem Konzert? Ich hab nirgends eine Ankündigung gesehen”, sagte sie und lag damit genau richtig. Mir selbst war es als Fan kaum aufgefallen. Schließlich wusste ich schon seit Monaten, dass Rage in Villach spielen würden. Ich habe die Ankündigungen auf Ticketseiten und in Foren verfolgt. Aber außerhalb des engen Fanzirkels? Fehlanzeige. Keine Aushänge, keine Plakate, keine Flyer, keine Ankündigungen in Zeitungen, nichts! Ich fing tatsächlich an, mir Sorgen zu machen. Es war schließlich nicht klar, ob überhaupt genug Leute von dem Konzert wussten, um den Saal voll zu bekommen.

Meine Sorge stellte sich zum Glück als unbegründet heraus. Der Bambergsaal im Parkhotel war gut gefüllt, die Meute war bester Laune und einige Fans waren sogar aus Jesenice angereist und dementsprechend heiß auf eine Vollbedienung. Die Band hatte offensichtlich auch ihren Spaß und spielte auf Teufel komm raus, obwohl Gitarrist Victor an einer Grippe laborierte. Für mich war es ein gelungener Abend.

Wenn das Konzert so toll war, wo liegt dann mein Problem?

Das Konzert fand regelrecht unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ich glaub nicht, dass, außer der Konzertgäste, überhaupt jemand wusste, was denn da los ist. Zeitungen, die sich sonst über jeden Scheiß das Maul zerreißen, blieben stumm. Dabei sind Rage kein unbeschriebenes Blatt. Immerhin sind sie nicht nur für einen der bekanntesten Rocksongs dieses Jahrzents verantwortlich (Straight to Hell aus der Komödie “Der Schuh des Manitu”), sie schafften bei Stefan Raab’s Bundesvision Songcontest 2009 den ordentlichen dritten Platz. Rage sind, um es mit einem Wort zu sagen, Kult.

Ich weiß, wass Sie, lieber Leser, jetzt denken. Da regt sich ein Fan darüber auf, dass seine Lieblingsband nicht die gebührende Aufmerksamkeit bekommen hat. Und ich müsste dieser Auffassung zähneknirschend zustimmen. Aber davon abgesehen wundert es mich, wie sehr Jugendkultur, die etwas abseits des Mainstream liegt, in Kärnten unter vollem Desinteresse der Öffentlichkeit stattfindet. Beispielsweise feiert die Krone ihr dreitägiges Seefest mit solchen “Rocklegenden” wie Bonny M das ganze Wochenende auf mehreren Seiten täglich ab. Zugegeben, dort waren auch die Massen, aber wenn in Kärnten etwas popkulturelles stattfindet, ist es meistens das “Für die ganze Familie” Zeugs, dass es in das öffentliche Bewusstsein schafft. Volksmusik und dekaden alte One-Hit-Wonders. Man möchte den Eindruck bekommen, dass es in Kärnten eben nur so etwas gibt.

Das stimmt zwar nicht - engagierte Fans und Unternehmer schaffen es immer wieder, richtige Perlen nach Kärnten zu locken - aber außerhalb eines Kreises von Eingeweihten weiß das so gut wie niemand. Kärnten ist so viel mehr als Volksmusik und Familienfest. Eingestehen will sich das aber anscheinend niemand.

Ein letzter Versuch

Kärnten und Rockkonzerte, zwei Dinge die normalerweise nicht so gut miteinander können. Klar, es gibt ausnahmen, wie das legendäre Sauzipf. Das feiert heuer sogar seinen zehnten Geburtstag. Aber lahme Enten und Bauchklatscher wie das Lake 07 dominieren die heimische Szene.

Aber aufgeben, das kennen die Kärntner nicht. Denn irgendjemand hat es geschafft, die deutsche Powermetal-Legende Rage ins Parkhotel in Villach zu locken. Elf Jahre ist es her, dass Peavy Wagner und seine Mannen zuletzt in Kärnten waren, damals als Vorgruppe von Deep Purple. Morgen kommen sie als Headliner auf ihrer eigenen 25-Jahre Jubiläumstour.

Ich hege sogar eine gewisse Hoffnung für das Konzert. Immerhin sind Rage dieser Tage bekannter als jemals zuvor. Zum Einen natürlich durch eines der wohl bekanntesten Metalriffs im Deutssprachigen Raum, zum Anderen durch ihre kürzliche Teilahme und Topplatzierung bei Stefan Raabs “Bundesvision Songcontest”.

Aber vor den Konzertgenuss hat der Veranstalter erst einmal vier (!) Vorbands gestellt. Warum vier Vorbands bitteschön? Andere Locations sind mit zwei ausgekommen. Madog und Thytopia würden auch problemlos ausreichen, um dem Publikum Feuer unterm Hintern zu machen. Wozu auch noch die Sentimentalistic Bitches und Flight Delight die Bühne verstopfen müssen, ist mir ein Rätsel.

Aber nein, ich beiße mir auf die Zunge und harre der Dinge, die da kommen mögen. Heute bekomm ich endlich meine Karten. Hoffen wir nur, dass es nicht schon wieder ein Privatkonzert wird, wie bei Savage Circus anno dunnemals. Wenn sich die Rager eines verdienen, dann ist das eine volle Hütte!

Echte Kärntner gehören unter die Erde!

Ich habe ja nie verstanden, wieso man einen Sündteuren Sarg braucht. Es ist ja nicht so, als würde man einen sündteuren Luxussarg noch genießen können. Aber mit dem Tod ist eben gutes Geld zu machen, und deshalb werden den Bestattern so schnell die Ideen nicht ausgehen.

Wissen Sie, womit man ebenfalls ordentlich Kohle scheffeln kann? Na mit verklärter Heimatliebe und Hurrah-Patriotismus natürlich! Und so wundert es mich nicht besonders, dass irgend ein findiger Unternehmer Früher oder Später auf die Idee gekommen ist, den Tod und die Heimat zu verbinden. Gerade in Kärnten, wo die Grenzen noch mit Blut gezogen wurden, wie es wahre Männer eben so machen, war diese Kombination wirklich nur eine Frage der Zeit.

Der Chef des Heimatwerkes setzt sich jetzt also für den Kärntner Heimatsarg ein. Überrascht mich nicht besonders. Heimatverbunden bis zum bitteren Ende, so wird in Kärnten schließlich wahre Liebe zum Heimatland gezeigt.

Ich finds nicht etwa geschmacklos sondern einfach nur noch dämlich. Aber es hat ja schon immer Menschen gegeben, die für jeden noch so idiotischen Müll ihr Geld zum Fenster rauswerfen mussten. Wenigstens ist dies ein Kärntner Brauchtumsmuster, das mir mal nicht beim täglichen Spaziergang in Klagenfurt die Augen verbrennt.

So, und beim nächsten Mal reden wir über den unsäglichen Trend, jede tragbare Fläche mit Pleamlen zu bedrucken.

Schweinsäuglein

Nein, eine Panik wollen sie nich verursachen, unsere Medien. In ihren Artikeln rufen sie zur Ruhe auf, beschwichten man müsse sich keine Sorgen machen, berichten vom Fehlen einer Panik.

Im selben Atemzug überbieten sich Kleine, Krone und KTZ heute gegenseitig mit atemlosen Titelstories rund um die Schweinegrippe, die jetzt anscheinend Österreich erreicht habe. Was ist zum Beispiel die Absicht der Kleinen Zeitung? Wie will man seine Leser beruhigen? Natürlich mit einem siebenseitigen Special namens “Angst vor der Schweinegrippe”. Ja, das ist sicherlich beruhigend.

Während Ärzte tatsächlich versuchen, zu beruhigen, benehmen sich die Medien, als läge bereits das halbe Land mit Fieber im Bett. Aber hey, mit Panik macht man immer noch die beste Auflage. Nullnummern wie BSE oder die Vogelgrippe haben die Leser mittlerweile wohl wieder vergessen. Auch dabei gab es wochenlang apokalyptische Stimmung allerorts. Passiert ist letztenendes nicht viel.

Die Schweinegrippe hat bisher so um die 150 Todesopfer gefordert. Laut WHO sterben jährlich grob geschätzte 5,5 Millionen Menschen an Aids. Schweinegrippe ist halt sexier…